Schauspielhaus Salzburg
Jugendstück: Eine Odyssee
 

Jugendstück: Eine Odyssee

Premiere: 18. Mai 2015, Saal
18. Mai - 26. Juni 2015, Saal
Dauer 1:30 Stunden, keine Pause
Altersempfehlung ab 12 Jahren

Schulbuchungen hier

Odysseus sitzt fest. Der listenreiche König von Ithaka, gefeierter Held des Trojanischen Kriegs, hat es sich mit den Göttern verscherzt. Odysseus aber ist müde, erschöpft vom Krieg, für ihn gibt es nur ein Ziel: nach Hause, nach Ithaka, in die Arme seiner Frau Penelope und seines Sohnes Telemachos. Doch die Götter sind sich nicht einig, was mit ihm geschehen soll. Erst halten sie ihn jahrelang fest auf der Insel der Nymphe Kalypso. Und als er endlich lossegeln darf, macht der immer noch nicht versöhnte Meergott Poseidon seinen Heimweg zu einer schier endlosen Irrfahrt ...

Fotos Inszenierung: Gregor Hofstätter

 

Autor

Ad de Bont, geboren 1949 in Waspik, lebt in Haarlem bei Amsterdam. Ad de Bont ist einer der einflussreichsten und prägendsten Persönlichkeiten des zeitgenössischen Kindertheaters. Seit 1982 ist er künstlerischer Leiter der Gruppe Wederzijds in Amsterdam, mit der er an die 20 Theaterstücke entwickelte. Seit 1986, als der Verlag die Weltrechte des international noch Unbekannten übernahm, hat es weltweit an die 300 Inszenierungen seiner Theaterstücke in zehn Sprachen gegeben. "Mirad, ein Junge aus Bosnien"MIRAD, EIN JUNGE AUS BOSNIEN aus dem Jahr 1993 ist ein Meilenstein des politischen Kindertheaters und wurde in über 125 Produktionen in aller Welt gespielt, von Calgary bis Singapur, von Montevideo bis Belfast.

Auszeichnungen:

2013 Niederländisch-deutscher Kinder- und Jugenddramatikerpreis
2012 Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg
2012 Taalunie Toneelschrijfprijs
2010 Niederländisch-deutscher Kinder- und Jugenddramatikerpreis (Hauptpreis)
2009 Preis der ASSITEJ
2007 Ridder in de Orde van Oranje-Nassau
1998 Deutscher Kindertheaterpreis
1994 First International Ostakino Prize

Odysseus sitzt fest. Der listenreiche König von Ithaka, gefeierter Held des Trojanischen Kriegs, hat es sich mit den Göttern verscherzt. Odysseus aber ist müde, erschöpft vom Krieg, für ihn gibt es nur ein Ziel: nach Hause, nach Ithaka, in die Arme seiner Frau Penelope und seines Sohnes Telemachos. Doch die Götter sind sich nicht einig, was mit ihm geschehen soll. Erst halten sie ihn jahrelang fest auf der Insel der Nymphe Kalypso. Und als er endlich lossegeln darf, macht der immer noch nicht versöhnte Meergott Poseidon seinen Heimweg zu einer schier endlosen Irrfahrt ...

Homers „Odyssee“ ist eines der bedeutendsten Werke der abendländischen Literatur. Der vielfach ausgezeichnete niederländische Kinder- und Jugendtheaterautor Ad de Bont macht den faszinierenden Mythos für junge Zuschauer gegenwärtig und greifbar – auch und gerade für die, die mit der Antike überhaupt nichts anfangen können: Mal in gebundener, mal in Umgangssprache erzählt er die Geschichte des durch die Welt irrenden Odysseus, erzählt vom Kampf des Einzelnen gegen das Schicksal, von den Folgen des Krieges, der Trennung einer Familie und der Sehnsucht nach der verlorenen Heimat.

Die Besetzung

Odysseus Simon Ahlborn
In allen weiteren Rollen
Betty Bauer
Eva-Maria Weingärtler
Marena Weller
Jonas Breitstadt
Sebastian Martin Rehm

Regie Christoph Batscheider
Bühne Georg Lindorfer
Kostüm Elke Gattinger
Rythmus und Bewegung Jasmin Rituper
Licht Marcel Busa
Regieassistenz Angelika Maier
Maske Andrea Linse

Ein Gespräch mit Christoph Batscheider, Regie

Homers "Odyssee" ist vor mehr als 2800 Jahren niedergeschrieben worden. Sie zählt zu den ältesten und bedeutendsten Erzählungen der Weltliteratur. Jeder kennt die Geschichte - ungefähr zumindest - und doch hat kaum einer die 12.000 Hexameterverse von Homer wirklich gelesen. Und jetzt das Ganze als Jugendstück? Ist das wirklich ein Stoff für ein junges Publikum?
Unbedingt. Gerade weil es ein Kernstoff der Weltliteratur ist, finde ich es wichtig, die Geschichte alters-gerecht zugänglich zu machen. Es gibt unzählige Geschichten, die sich auf die "Odyssee" beziehen, warum dann den Jugendlichen die ursprüngliche Quelle vorenthalten? Außerdem ist die "Odyssee" vor allem eine Abenteuergeschichte, eine Geschichte über Mut und Feigheit, Ruhm und Vergessen, Sehnsucht und Heimat. Aber vor allem ist es eine Geschichte über das Erzählen.
Was meinst Du damit?
Schon die antike Verserzählung ist raffiniert geschrieben, es gibt Vor- und Rückblenden, es gibt gleich mehrere Erzähler, nicht nur Odysseus, sondern z.B. auch den Sänger Demodokos, der rückblickend die Rolle von Odysseus im Trojanischen Krieg erzählt. Es geht also nicht nur um die unmittelbaren Erlebnisse des Odysseus, sondern wer sie gerade wie erzählt. Man darf sich immer fragen, was wirklich stimmt, und was in der Erzählung im Nachhinein größer, spannender und bedeutender geworden ist. Und ganz besonders interessant macht die Homersche Erzählung die Ebene der Götter: Sie sind Spiegel der Menschheit, sie zeigen, wie die Mächtigen mit den Ohnmächtigen spielen und wie der Streit der Unsterblichen das Schicksal der Sterblichen bestimmt. Für Homer war das wahrscheinlich eine Methode zu zeigen, wie sich damals die Herrschenden benommen haben und wie wenig die Beherrschten dagegen tun konnten.   
Ein großes Thema ist hier sicher auch die Sprache. Homers Urtext ist in Hexametern geschrieben, das ist für heutige Ohren mehr als ungewohnt ...
Ja, die Sprache spielt eine zentrale Rolle. Ad de Bont hat die Odyssee entschlackt, entstaubt, für heute hör- und sprechbar gemacht. Er mischt sehr absichtsvoll Umgangssprache und Versdichtung, lässt Teile der Geschichte in "antiker Höhe" und holt sie dann mit ein paar trockenen Sätzen in Umgangssprache wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Und er macht sehr deutlich, dass Verssprache ein erzählerisches Mittel ist und kein Selbstzweck für Latein- und Griechischfreaks. Das Versmaß hatte ja früher den Sinn, eine Geschichte zu ordnen und immer wieder erzählbar zu machen. Ähnliches macht Ad de Bont auch. Es sind vor allem die Erzählerpassagen, die im Versmaß geschrieben sind.
Wie habt Ihr das auf der Bühne umgesetzt?
Wir haben versucht, möglichst viele verschiedene Erzählweisen zu finden, für jede Geschichte etwas neues. Wir lassen Odysseus zu Beginn eher wie einen Popstar agieren, möglichst cool, fast unbeeindruckt von seiner eigenen Geschichte. Wir geben ihm die Pose eines Bandleaders, eines Poetry Slammers, eines Sängers in einem Musikvideo. Doch je näher Odysseus seiner Heimat kommt, um so unmittelbarer wird die Erzählung, umso konkreter wird das Handeln von Odysseus bis hin zum handfesten Kampf mit Antinoos am Ende des Stücks.
Das klingt kompliziert ...
Ist auf der Bühne aber eigentlich ganz einfach. Wir nutzen viele verschiedene Mittel, um die Geschichte unterhaltsam zu machen. Aber gleichzeitig verändern sich die Mittel im Lauf der Geschichte. Uns ging es ganz stark darum, unsere "Odyssee" aus der bildungsbürgerlichen Ecke herauszuholen, sie unterhaltsam und süffig zu machen, denn das hat ja schon Homer vor fast 3000 Jahren beabsichtigt: Er wollte seine Zeitgenossen gut unterhalten, nichts anderes tun wir heute.

Das Gespräch führte Theresa Taudes, Dramaturgie